Ehrenfeld

Das historische Ehrenfeld

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Bochum von einem kleinen, ländlich geprägten Städtchen zur Großstadt. Bereits 1898 hatte der Bauunternehmer Clemens Erlemann (1865-1937) die durch Bevölkerungswachstum und Raummangel notwendig gewordene Erweiterung des Stadtgebietes vorausgesehen.
Es war ihm auch klar, dass eine Ausdehnung konsequenterweise in südlicher Richtung erfolgen würde, denn an der Stadtgrenze lag der damalige Bochumer Hauptbahnhof an der Bergisch-Märkischen Eisenbahn, und dahinter befand sich eine weitgehend unerschlossene Wald- und Wiesenlandschaft mit nur einigen Häusern: das Ehrenfeld. Vollständig zu Wiemelhausen gehörig, wurde die Gegend noch bis Anfang der 1870er-Jahre vom Volksmund als „kleine Tocke“ bezeichnet. Im März 1874 vereinbarten die Anwohner jedoch als Reminiszenz an den siegreichen deutsch-französischen Krieg 1870/71 die Umbenennung in „Ehrenfeld“ und schufen damit eine einprägsame Bezeichnung für die Region, die zwar niemals den Rang eines Stadtteils erhielt, aber nach Erlemanns Plänen bald zu einem beliebten Wohngebiet avancierte. Vor diesem Hintergrund ist auch eine klare Abgrenzung des Ehrenfeldes innerhalb Wiemelhausens nicht möglich. Es ist eine Frage des Zugehörigkeitsgefühls: Man wohnt nicht in Ehrenfeld, sondern im Ehrenfeld.

Das gesamte Gebiet gehörte zum Haus Rechen, dessen Eigentümer Otto von Schell zunächst nicht an einen Verkauf dachte und dann einen für Erlemann nicht akzeptablen Kaufpreis forderte. Nach längeren Verhandlungen fand er sich jedoch 1898 bereit, seine Vorstellungen zu reduzieren, und überließ Erlemann Grundstücke zwischen Ottostraße [heute Oskar-Hoffmann-Straße] und Bahnlinie. Außerdem räumte er ihm das Vorkaufsrecht auf seine gesamten Liegenschaften ein. Zur Jahrhundertwende entstanden die ersten Bauten des neuen Stadtteils am Westfalenplatz. Erlemann hatte zahlreiche Parzellen an private Bauherren veräußert und die Flächen für den Platz und die Straßen der Stadt weitgehend unentgeltlich abgetreten.

 

Nach dem Tod von Otto von Schell begann Erlemann 1903 mit den ersten Planungen für eine Bebauung der 380 Morgen großen restlichen Flächen des Hauses Rechen, die er Anfang 1904 von Ottos Erben Carl von Schell erwarb. Schon die ersten Entwürfe zeigten ein in Nord-Süd-Richtung verlaufendes Rechteck in den Grenzen (heutiger Verlauf) Hattinger Straße/Oskar-Hoffmann-Straße, Knüwerweg, Waldring und Hunscheidtstraße, welches durch die Königsallee in zwei Hälften geteilt wurde. Die Straßenzüge wurden mit Ausnahme des Romanusplatzes rechtwinkelig zueinander angeordnet, während im Süden der Wald bestehen blieb. Nach Vorbild bürgerlicher Stadtteile anderer Städte und in Abgrenzung zu Arbeitersiedlungen wie Stahlhausen wollte Erlemann Wohnraum für Angestellte, Beamte und höhere Bevölkerungsschichten schaffen.

Die Gemeinde Wiemelhausen unterstützte seine Bemühungen, obwohl sie selbst nicht einmal annähernd dazu in der Lage war, die hohen Investitionen für die Anlegung von Straßen und sonstiger Infrastruktur aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Allerdings war schon Anfang März 1903 die Eingemeindung von Wiemelhausen nach Bochum zum 1. April 1904 beschlossen worden. Der Gemeinderat konnte also ohne Rücksicht auf die Kosten einen Bebauungsplan für das Ehrenfeld verabschieden und der Stadt Bochum per Eingemeindungsvertrag die Finanzierung aufbürden.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg war der Bebauungsplan abgeschlossen. Während im Norden Verwaltungs- und Mietshausbebauung dominierten, befand sich im Südteil aufgelockerte Wohnbebauung mit Bürgerhäusern wie der im Jugendstil erbauten Villa des Wagen- und Automobilfabrikanten Lueg, sowie dem Realgymnasium (heute Graf-Engelbert-Schule) und der Drusenbergschule. Ergänzt wurde das Stadtbild bis 1933 durch die „Lichtburg“ (1928-1929), einem der modernsten deutschen Kinos an der Ecke Königsallee/Hattinger Straße, und das Parkhotel Haus Rechen (1927-1930), dem renommiertesten Hotel des Ruhrgebietes an der Königsallee/Christstraße. Beide Gebäude waren von Emil Fahrenkamp errichtet und trugen zum modernen Gesamteindruck des neuen Stadtteils bei.

Während des großen Bombenangriffs auf Bochum am 4. November 1944 wurde ein Großteil des Ehrenfeldes vernichtet. Zwar änderte sich durch die Zerstörung fast aller öffentlichen Gebäude und den Wiederaufbau das Bild des Stadtteils, doch ging der ursprüngliche Charakter durch die weitgehende Beibehaltung der Straßenführung nicht verloren.

 

Bereits um die Jahreswende 1904/05 begann man mit den Erschließungsarbeiten für den ersten Teilabschnitt der Königsallee bis zur Farnstraße und der anliegenden Straßen sowie dem Bau erster Wohnhäuser. Um die Entwicklung voranzutreiben, überließ Erlemann der katholischen und der evangelischen Kirche kostenlos Grundstücke mit der Auflage, sie umgehend zu bebauen. Von weitaus größerer Bedeutung war jedoch der Bau des Verwaltungsgebäudes des Allgemeinen Knappschaftsvereins, der ebenfalls ein kostenloses Grundstück und zudem von Erlemann eine Ausgleichszahlung für das ehemalige Knappschaftsgebäude in der Innenstadt Bochums erhalten hatte. Außerdem errichtete er 1907 auf eigene Kosten das „Orpheum“ als Varieté- und „Schaustellungstheater“. Der hohe Aufwand lohnte sich, denn die hervorragende Perspektive des neuen Stadtteils lockte schnell weitere Investoren, die die angebotenen Parzellen erwarben. Auf der anderen Seite war Erlemann auf einen stetigen Zufluss von Mitteln angewiesen, denn er hatte sich bereits beim Kauf der Liegenschaften des Hauses Rechen bei den ortsansässigen Banken hoch verschuldet. Dass seine Baugesellschaft auf tönernen Füßen stand, zeigte sich, als das im Herbst 1908 nach gut einjähriger Bauzeit für 900.000 M errichtete Theater sich aufgrund seines verfehlten Konzepts bereits nach kurzem Betrieb als unrentabel erwies. Den Umbau des Gebäudes zu einer Schauspielbühne konnte Erlemann finanziell nicht mehr verkraften – er musste Konkurs anmelden, und die Stadt Bochum übernahm das Theater.
Text:Dietmar Bleidick. Bilder:Dirk Ernesti.

 
 

WebsoziCMS 3.7.1.9 - 697969 -

SPD Bochum-Ehrenfeld in den sozialen Netzen

Die SPD Bochum-Ehrenfeld ist auch in sozialen Netzen aktiv:

 

Unser Bundestagsabgeordneter

 

Unser Landtagsabgeordneter

 

Das historische Ehrenfeld

Besucher:697970
Heute:34
Online:1
 

Wetter-Online

Banner-Land

Der Link zur NRWSPD SPD-Fraktion Landtag NRW Der offizielle Blog der NRWSPD Die Mitmachpartei NRWSPD, das Forum
 

WebsoziInfo-News

09.12.2018 19:38 Europa ist die Antwort
Die kommenden Jahre werden entscheidend dafür sein, ob wir die großen Aufgaben der Zeit gemeinsam anpacken – und bewältigen. Ob wir der europäischen Idee neuen Schub geben. Oder ob der Weg zurück führt in nationalstaatliches Klein-Klein – und wir die Weltpolitik der anderen nur an der Seitenlinie kommentieren und erdulden. Um nichts weniger geht es

07.12.2018 21:15 Einrichtung einer Europäischen Arbeitsbehörde
Mit der Einigung der europäischen Arbeitsminister auf eine Europäische Arbeitsbehörde ist ein Schritt hin zu einem sozialeren Europa getan. Die Europäische Kommission hatte diesen Vorschlag unterbreitet, nun muss noch das Europäische Parlament zustimmen. „Vor einem Jahr haben die Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen, mehr zu tun für soziale Rechte, wie den Zugang zu Sozialschutz,

05.12.2018 22:19 Harald Christ – Die CDU meldet sich von ihrer Wirtschaftskompetenz ab
Zum Antrag „Wirtschaft für die Menschen – Soziale Marktwirtschaft im 21. Jahrhundert“ der CDU auf ihrem Bundesparteitag am 7./8. Dezember 2018 erklärt der Mittelstandsbeauftragte beim SPD Parteivortand Harald Christ: Wo bleibt das Neue? Der Inhalt des Antrags ist ziemlich dünn und hinlänglich bekannt. Eine in die Zukunft gerichtete Perspektive für den Wirtschaftsstandort Deutschland und seine Herausforderungen

03.12.2018 16:54 Wir lassen die Kommunen beim Diesel nicht allein
Anlässlich des bevorstehenden Dieselgipfels im Kanzleramt betont Sören Bartol: Der Bundestag hat bereits in der letzten Woche die Aufstockung der Mittel für das Sofortprogramm ‚Saubere Luft‘ beschlossen. „Unser Ziel ist es, saubere Luft in den Städten zu erreichen und Fahrverbote zu verhindern. Wir lassen die Kommunen dabei nicht allein. Der Bundestag hat bereits in der letzten Woche

02.12.2018 17:05 Blockchain und FinTechs: Innovationen fördern und Verbraucherschutz stärken
Viele junge Unternehmen bauen bei ihren Geschäftsmodellen mittlerweile auf die Blockchaintechnologie. Die SPD-Bundestagsfraktion hat Chancen und Risiken der Blockchain heute in einem Fachgespräch mit Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, Jakob von Weizsäcker, Mitglied des Europäischen Parlaments, und Friederike Ernst, Generalsekretärin des Blockchain Bundesverband e.V. und anderen diskutiert. Wir setzen uns für eine zukünftige

Ein Service von websozis.info